Escultura: Karsten Konrad



 

Ausstellungseröffnung:Samstag 23. September 2006 um 20 Uhr
Ausstellungsdauer:27. September bis 04. November
Mittwoch bis Samstag 14 Uhr bis 18 Uhr

loop – raum für aktuelle
Jägerstrasse 5, 10117 Berlin-Mitte
Tel. 030 28 39 00 28
loop@loop-raum.de, www.loop-raum.de

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Urbanes Mosaik
Am 23.September wird die Galerie loop-raum für aktuelle kunst in den neuen
Räumen in der Jägerstrasse wieder eröffnet. loop- raum für aktuelle  kunst ist nach einem Abstecher nach Kreuzberg wieder nach Berlin-Mitte zurückgekehrt, wo sich die Galerie in ihrer Anfangszeit Ende der 1990er Jahre angesiedelt hatte, und hat sich nun an der Peripherie zwischen der Künstlermeile Auguststrasse und der Zimmerstrasse niedergelassen. Den Auftakt macht der langjährige loop-Künstler Karsten Konrad mit der Ausstellung „Escultura“.

Die Wandskulpturen Konrads offenbaren eine konzentrierte Auseinandersetzung
mit den Aspekten Skulptur und Architektur, die sich wie ein roter Faden
durch das Werk des Künstlers ziehen. Wer das frühe Oeuvre Konrads kennt, sieht in den Arbeiten durchaus Zitate durchscheinen. Wie in seinen Modell-Skulpturen arbeitet Konrad auch hier mit dem Material Holz: zum Einsatz kommen neben Versatzstücken und zersägten dünnen Holzplatten auch Teile von Möbelstücken und innenarchitektonischen Elementen. So sind die Arbeiten Analogien zu den frühen Arbeiten, den Modellskulpturen. Während bei diesen überwiegend Spanplatten zum Einsatz kamen, geht der Künstler bei seinen aktuellen Arbeiten spielerischer ans Werk. Die Urbanität wird widergespiegelt: nicht als Vorbild, sondern durch das Material. Gebrauchsgegenstände, achtlos weggeworfener Hausrat wie Stühle, Stöcke, Teile von Küchenmobiliar und Möbelfragmente aus den Nachkriegsepochen fließen in die Skulpturen ein. Auf diese Weise entsteht
ein urbanes Mosaik, das durchaus auch den Readymade-Aspekt streift, aber
darüber hinausgeht. Erst durch die Bearbeitung, den Einsatz in die Skulptur
entstehen Bilder, die zum Nachdenken, Rätseln und Amüsement beitragen.
Zugleich entstehen mit diesen „Sternenstaubexplosionen“ (Karsten Konrad)
einzigartige Arbeiten, da die Fundstücke an sich und in ihrer künstlerischen
Anordnung Unikate darstellen.

Im Gesamteindruck erscheinen die Arbeiten wie Silhouetten von Satelliten-Städten, bunte, comichaft erstarrte Explosionswolken strecken Spitzen und Türme in die Höhe, da windet sich das gedrechselte

Stück eines Stuhles um die Platte, dort blitzt eine Holzbordüre aus der
dreidimensionalen Collage. Die Arbeiten strahlen eine explosive Dynamik aus
und ziehen den Betrachter in ihren Bann. Der Gang um die Skulptur wird zum
Blick in ein monumentales, dreidimensionales Kaleidoskop. Teilweise sorgfältig konstruierte Teile, die Modellcharakter aufweisen, werden von Konrad gekippt, schräg montiert und mit Randstücken versehen. Auf diese Weise ironisiert und dekonstruiert der Künstler seine frühe Modellwelt. Die strenge Modell-Form wird durch die offene Positionierung wieder aufgelöst.

Ähnlich erschließen sich die Wandreliefs. So unterschiedlich die Arbeiten scheinen – einmal blickt man auf ein streng geometrisches Mosaik in ruhiger, regelmäßiger Farbwechslung, ein anderes Mal strotzen die Skulpturen vor Farbigkeit und vereinen die unterschiedlichsten Assemblageelemente wie farbig geschichtete Holzstreifen, azurblaue Zierleisten und ebenholzbraune, polierte Stuhllehnen zu einem Wandrelief, dessen Größe und Tiefe die zweidimensionale Hängung konterkariert – der verbindende Aspekt ist das Material Holz und die Farbverwendung. Die Farbgebung homogenisiert den Eindruck, bringt eine weitere Dimension in die Skulptur ein. Gerade hier finden sich Zitate aus der Historie: Retromuster und die gedeckten Farben des Kubismus und der 20er und 30er Jahre, der Expressionismus der Trash Art, die geometrische Verwendung der Grundfarben in der Pop Art und der Kitsch der 80 ziger finden ebenso Eingang wie die natürlichen Details der Holzmaserungen. Dabei wird keines der Stücke vom Künstler überstrichen oder koloriert. Konrad bedient sich vielmehr aus der Vielfalt der vorgegebenen Lackierungen – eine sich selbst generierende Farbpalette. In ihrer plastisch gewordenen, „aufgeblähten“ Zweidimensionalität, ihrer impulsiven Energie und ihrer Farbigkeit wirken die Reliefs teilweise wie aus der Wand gesprungene Graffitis – selbst Zeichenträger urbaner Ästhetik. Trotz aller ungebändigter Energie und Dynamik wirken die Arbeiten in sich kompakt und sinnvoll konstruiert. Die Freude des Wiedererkennens von vertrauten Materialien, Farben und Versatzstücken in einer überraschend spannungsgeladenen Form, macht den besonderen Reiz der Skulpturen und Wandreliefs von Karsten Konrad aus.