Rudolf Hausner



Adams Lebensbaum 1975, Farblithographie, 43 x 30 cm



Einen wortwörtlichen Anfang der Ausstellung macht eine u. a. auf die biblische Genesis und den paradiesischen „Baum des Lebens“ bezogene Arbeit von Rudolf Hausner (1914–1995), der zu den Künstlern der Wiener Schule des Phantastischen Realismus gehörte. Sein Bild „Adams Lebensbaum“ – Teil von Hausners Serie von „Adam-Bildern“ – zeigt ein wie aus Zellen zusammengesetztes, scheinbar organisches und doch eher künstliches Gebilde. Fast schwebend, nur auf einen Pfahl oder Stamm gesetzt, hat dieser ellipsoide „Baum“ selbst schon skulpturalen Charakter. Dabei thront er über einer disziplinarisch und landschaftsplanerisch angeordneten Versammlung von vergleichbar geformten, jedoch wesentlich kleineren Bäumen. Aber ist die geordnete Natur hier dem Gebilde nachempfunden oder simuliert das Ellipsoid die Ordnung der Natur? Ist es Abbild oder Vorbild? Wächst hier etwas in einem schaffenden Gestus über sich selbst hinaus oder haben wir es bereits mit einer besonders ausgewachsenen, absolutistischen Form von Hybris zu tun? Nicht zuletzt in einem Park wie dem am Gleisdreieck gehören solche Fragen, die auch immer wieder den Zusammenhang zwischen Kultur und Natur, zwischen Gebautem und Gewachsenem betreffen, zu den interessantesten.