Wir laden herzlich zur Eröffnung der Gruppenausstellung „UNCOVER. Ostdeutsche Künstler:innen zwischen Zuschreibung und Sichtbarkeit“ am Freitag, den 6. November 2026 um 18 Uhr im co/site exhibition ein.
Mit UNCOVER startet Women in Arts and Media e. V. ein interdisziplinäres Ausstellungsprojekt zu Künstler:innen aus Ostdeutschland. Im Zentrum steht eine Leerstelle in der Wahrnehmung ostdeutscher Kunst: Viele Künstler:innen, die in der DDR geboren und sozialisiert wurden oder nach 1989/90 in Ostdeutschland aufgewachsen sind, bleiben bis heute über regionale Kontexte hinaus nur begrenzt wahrgenommen.
"Mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung ist die Frage, welche ostdeutschen Künstler:innen in der gesamtdeutschen Kunstgeschichte sichtbar werden, weiterhin offen. UNCOVER setzt hier an und verbindet den historischen Einschnitt von 1989/90 mit gegenwärtigen Fragen von Kanon, Anerkennung und Zugang."
Kerstin Lorenz und Nadja Schütt, Organisatorinnen der Ausstellung
Der Einfluss von Herkunft und Geschlecht auf das Kunstschaffen bildet die kuratorische Klammer für die Auswahl der Künstler:innen. Auch wenn sich ihre Werke nicht immer unmittelbar mit diesen Kategorien auseinandersetzen, prägen beide Faktoren die jeweiligen Schaffensbiografien. Die beteiligten Künstler:innen stehen für Erfahrungen von Ausschluss, Beharrlichkeit und Selbstbehauptung unter unterschiedlichen politischen, gesellschaftlichen und institutionellen Bedingungen. Ihre Biografien verweisen zugleich auf zahlreiche ostdeutsche Künstler:innen, deren Arbeiten bis heute in Kanon und Öffentlichkeit unzureichend repräsentiert sind – ein Umstand, den UNCOVER kritisch adressiert.
Gezeigt werden Arbeiten von Gerda Lepke, Barbara Toch, Karin Hunger, Nadja Schütt, Tobia König und Vivien Schlecht. Die Geburtenjahrgänge der beteiligten Künstler:innen reichen von 1939 bis 1992. Damit treffen künstlerische Biografien aus mehreren Generationen aufeinander: Laufbahnen, die noch in der DDR begannen, Wege, die durch Umbruch und Transformationszeit geprägt wurden, sowie jüngere Positionen, die sich erst im wiedervereinigten Deutschland entwickelten.
Die Arbeiten und biografischen Interviews führen unterschiedliche künstlerische Positionen und Schaffensbiografien von Künstler:innen aus Ostdeutschland zusammen. Die Gespräche zeigen, wie politische Systeme, institutionelle Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Umbrüche künstlerische Wege prägten und welche Strategien Künstler:innen entwickelten, um ihre Arbeit fortzuführen. Dabei geht es um künstlerische Eigenständigkeit jenseits ideologischer Vereinnahmung, um individuelle Freiräume und um die Suche nach tragfähigen Arbeitsbedingungen in Zeiten gesellschaftlicher Veränderung. Die Werke greifen diese Erfahrungen nicht immer ausdrücklich auf. Materialien und Ausdrucksformen sind jedoch häufig bewusst gewählt, um biografischen Erfahrungen eine künstlerische Form zu geben – in Malerei, Grafik, Installation, Objekt, Materialexperimenten, Körperbildern, Räumen und fragmentierten Formen.
Der Umbruch von 1989/90 eröffnete neue Freiheiten und brachte zugleich bislang unbekannte Unsicherheiten mit sich. Netzwerke und institutionelle Strukturen verschwanden, der Kunstmarkt orientierte sich stark nach Westen und viele ostdeutsche Kunstbiografien blieben in nun gesamtdeutschem Kanon und Öffentlichkeit unterrepräsentiert. Zugleich richtet UNCOVER den Blick auf jüngere Künstler:innen, deren Lebens- und Arbeitsbedingungen im wiedervereinigten Deutschland entstanden sind. Die Werke aus mehr als 60 Jahren verbinden damit historische Erfahrungen, künstlerische Kontinuitäten, Transformationen und neue Ausgangslagen.
Die Eröffnung am 6. November, wenige Tage vor dem Jahrestag des Mauerfalls am 9. November, setzt dafür einen zeithistorischen Rahmen. Anhand der gezeigten Arbeiten und der nachgezeichneten Lebenswege fragt UNCOVER, wie gesamtdeutsche Kunstgeschichte entsteht: Unter welchen Bedingungen finden Werke und Biografien Eingang in ihre Erzählungen – und welche Mechanismen führen dazu, dass andere vorwiegend regional rezipiert werden?
Zum Projekt gehören drei eng miteinander verbundene Formate: eine digitale 3D-Ausstellung als Herzstück von UNCOVER, eine analoge Ausstellung im
co/site exhibition (hosted by loop – raum für aktuelle kunst) sowie eine Podcastreihe. Gemeinsam verbinden sie die unmittelbare Begegnung mit ausgewählten Arbeiten, den ortsunabhängigen Zugang zu Werken und Biografien sowie persönliche Stimmen, Erinnerungen und zeithistorische Einordnungen.
UNCOVER ist als langfristig wachsendes Format angelegt: Die digitale Ausstellung und die Podcastreihe werden fortlaufend um weitere Künstler:innen ergänzt und mit analogen Ausstellungen an wechselnden Orten in Ost- und Westdeutschland verbunden.
Künstler:innen: Gerda Lepke, Barbara Toch, Karin Hunger, Nadja Schütt, Tobia König, Vivien Schlecht
Organisatorinnen: Kerstin Lorenz und Nadja Schütt
Kontakt: Katharina Schrade (Vorstandsvorsitzende des Trägervereins Women in Arts and Media e. V.)
Email: vorstand@womeninartsandmedia.de
Projekt: www.instagram.com/uncover_ost Website des Trägervereins: www.womeninartsandmedia.de
Weitere Termine
Pressefrühstück Mittwoch, 4. November 2026, 11 Uhr co/site exhibition, Berlin
Presse-Vorabtermin zur Ausstellung mit der Kuratorin und Künstlerin Nadja Schütt, Kerstin Lorenz, Co-Creatorin von UNCOVER, sowie Katharina Schrade, Vorstandsvorsitzende des Trägervereins Women in Arts and Media. Geplant sind ein kurzer Rundgang durch die Ausstellung, Einblicke in die digitalen Inhalte von UNCOVER sowie Gelegenheit für Fragen, Interviews und Bildmaterial. Um Anmeldung wird gebeten.
Gesprächsabend: Zwischen den Generationen. Ostdeutsche Künstler:innen im Gespräch Freitag, 20. November 2026, 18 Uhr
Führung mit Kuratorin Nadja Schütt und den Künstler:innen Karin Hunger und Tobia König
Podium Kerstin Lorenz, Organisatorin und Künstlerin der Ausstellung, im Gespräch mit Vivien Schlecht, Künstlerin der Ausstellung, sowie Sabine Herrmann, Malerin und Grafikerin aus Berlin.
Im Podiumsgespräch begegnen sich zwei künstlerische Generationen: Vivien Schlecht, deren künstlerischer Weg im wiedervereinigten Deutschland begann, und Sabine Herrmann, die in der DDR studierte und bereits vor 1989 als Künstlerin arbeitete. Zwei künstlerische Generationen sprechen darüber, wie die unterschiedlichen politischen und institutionellen Bedingungen vor und nach 1989 ihre künstlerischen Wege und die Rezeption ihrer Arbeiten geprägt haben.
Finissage: Was bleibt sichtbar? Samstag, 5. Dezember 2026, 14 – 18 Uhr
Zum Abschluss führen Kuratorin und Künstlerin Nadja Schütt und die Künstlerin Vivien Schlecht durch die Ausstellung. Gemeinsam mit dem Publikum nehmen sie die Perspektiven auf ostdeutsche Kunstbiografien auf, die UNCOVER eröffnet, und fragen, was davon über das Ausstellungsende hinaus bestehen bleibt. Anschließend laden wir zum gemeinsamen Ausklang ein. | | | | Der Ausstellungsraum co/site exhibition begleitet die künftige Entwicklung der Urbanen Mitte Am Gleisdreieck mit künstlerischer Autonomie und tritt somit zugleich in einen Dialog mit den übergeordneten Themen des Gesamtprojekts – Formen des New Work, Co-working, Kultur und Sport – und schafft Synergien zwischen künstlerischen, kulturellen und sozialen Ansätzen. Künstlerischer Leiter des co/site ist Rüdiger Lange (loop – raum für aktuelle kunst). | | |
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