LAURE CATUGIER – BAUTOLERANZ
B-Part Exhibition

Eröffnung 15.09.21, 18 Uhr

Ausstellung: 16. September – 30. Oktober 2021
Öffnungszeiten: Mi – Sa von 14 – 18 Uhr
B-Part Am Gleisdreieck
Luckenwalder Str. 6b, 10963 Berlin

Die aktuelle Einzelausstellung bei „B-Part Exhibition“ greift das Thema der „Bautoleranz“ auf. Die französische, in Berlin lebende Künstlerin Laure Catugier (*1982) wendet diesen Begriff aus dem Hochbau, der das Zusammentreffen unterschiedlicher Baumaterialien regelt, auf ihre großformatigen Fotocollagen an. Von uns als standardisiert wahrgenommene, global verwendete Architekturelemente werden von Catugier in ungewohnte Zusammenhänge gebracht und damit visuell analysiert. In den raumbezogenen und teils installativen Arbeiten entsteht so auch ein neuer Blick Architektur der Gegenwart und der Zukunft.

Im Bauwesen versteht man unter dem Begriff der „Bautoleranz“ eine zulässige Abweichung von einem garantierten Wert. Erst die Einhaltung solcher Toleranzen ermöglicht es, dass bei der Fertigung und Montage von Hochbauelementen die vorgesehenen Funktionen auch erfüllt werden können. Wichtigkeit bekommt die Bautoleranz vor allem dann, wenn unterschiedliche Bauelemente oder -materialien aufeinander stoßen.

Am Ort der zukünftigen „Urbanen Mitte Am Gleisdreieck“, einem Ort, an dem verschiedene Akteure und Akteurinnen zusammentreffen, wirkt Bautoleranz nun ins Innen und zum Außen der aktuellen wie der geplanten Architektur: als Titel der aktuellen Einzelausstellung von Laure Catugier bei „B-Part Exhibition“ wird die „Bautoleranz“ gut sichtbar nach außen zur Öffentlichkeit hin kommuniziert – auf dem dieAusstellung annoncierenden Banner vor dem „B-Part“ – während innen, für ebendiese Öffentlichkeit, von Grenzen herkömmlicher Wahrnehmung künstlerisch abgewichen wird:

Die in Toulouse geborene, in Berlin lebende Künstlerin testet anhand von fotografischem Material im Ausstellungsraum, wie sich Architektur mit einem Außen verbindet und wie durch Entfremdung gewohnter Wahrnehmungscodes ein neuer Blick auf gebaute Umwelt entstehen kann. Catugiers schwarz-weiße, großformatig auf Posterflächen aufgedruckte Fotocollagen zeigen Architekturelemente (Außenwände, Treppenstufen, Fenster etc.), die von ihr so verschachtelt dargestellt und dabei so sinnfällig kombiniert werden, dass sich erst auf den zweiten Blick erklärt, wo die Grenzen der Einzelmotive verlaufen: Ist der graue Himmel dort eigentlich eine Brandwand? Wie kann der gedachte Schatten der Garagen hier so selbstverständlich auf dem Nachbarmotiv auftauchen? Um viele verschiedene Gebäude handelt es sich eigentlich? Ist es nur eines oder gar eines je Einzelmotiv?

Der Grund für diese Verwirrungen der Wahrnehmung liegt darin, dass Catugier ausschließlich von uns als standardisiert wahrgenommene (Nachkriegs-)Architektur-elemente abbildet, die (fast) überall auf der Welt sein könnten – und tatsächlich (fast) überall auf der Welt von der Künstlerin aufgenommen wurden. Unterstützt werden diese mit scharfem Blick erzeugten Perspektiven auf globale Architektur dadurch, dass Catugier durchgängig mit den Maßstäben spielt wie auch, dass auf ihren Fotos keine Menschen zu sehen sind, das Abgebildete bei ihrem jederzeit humorvollen Spiel mit Geometrie im Raum so eigenartig modellhaft, dabei ausgesprochen skulptural wirkt. Hier wird plastisch, dass die Künstlerin neben ihrem Master in Kunst und Design auch ein Bachelor-Studium in Architektur abgeschlossen hat.

Flankiert werden Catugiers Collagen bei „B-Part Exhibition“ sowohl durch zwei Arbeiten aus ihrer Serie „Balconing“, die die Technik der Fotocollage sachte ins dreidimensionale überführen und so auf das Motiv des Schattenspiels fokussieren als auch durch eine Videoarbeit („Split“), bei der die Künstlerin mit den Mitteln der Computerzeichnung ein weiteres Ratespiel um Dimensionen, Flächen und Räume, Grundelemente bildlicher Repräsentation und Bedingungen architektonischer Behauptungen eröffnet.

Der Ausstellungsraum B-Part Exhibition begleitet die künftige Entwicklung der Urbanen Mitte Am Gleisdreieckmit künstlerischer Autonomie und tritt somit zugleich in einen Dialog mit den übergeordneten Themen des Gesamtprojekts – Formen des New Work, Co-working, Kultur und Sport – und schafft Synergien zwischen künstlerischen, kulturellen und sozialen Ansätzen. Künstlerischer Leiter des B-Part Exhibition ist Rüdiger Lange (loop – Raum für aktuelle Kunst).




Opening 15.09.21, 6 pm

Exhibition: September 16 - October 30, 2021
Opening Hours: Wed - Sat from 2pm - 6pm
B-Part Am Gleisdreieck
Luckenwalder Str. 6b, 10963 Berlin

The current solo exhibition at "B-Part Exhibition" takes up the theme of "building tolerance". The French, Berlin-based artist Laure Catugier (*1982) applies this term from structural engineering, which regulates the encounter of different building materials, to her large-format photo collages. Architectural elements that we perceive as standardized and used globally are brought into unusual contexts by Catugier and thus visually analyzed. In the space-related and partly installative works, a new view of architecture of the present and the future thus also emerges.

In the building industry, the term "building tolerance" is understood to mean a permissible deviation from a guaranteed value. It is only by adhering to such tolerances that the intended functions can be fulfilled during the production and assembly of structural elements. Construction tolerances are particularly important when different construction elements or materials come into contact with each other.

At the site of the future "Urban Center Am Gleisdreieck", a place where various actors meet, building tolerance now has an effect on the inside and the outside of the current and planned architecture: as the title of Laure Catugier's current solo exhibition at "B-Part Exhibition", "building tolerance" is clearly communicated to the public on the outside - on the exhibition banner in front of the "B-Part" - while on the inside, for this very public, the boundaries of conventional perception are artistically deviated from:

The Toulouse-born, Berlin-based artist uses photographic material in the exhibition space to test how architecture connects with an outside and how a new view of the built environment can emerge by alienating familiar codes of perception. Catugier's black-and-white photo collages, printed in large format on poster surfaces, show architectural elements (exterior walls, stairway steps, windows, etc.), which she depicts in such a nested manner and combines in such a striking way that it only becomes clear at second glance where the boundaries of the individual motifs run: Is the gray sky there actually a firewall? How can the imaginary shadow of the garages appear here so naturally on the neighboring motif? Are there actually many different buildings? Is it only one or even one per single motif?

The reason for this confusion of perception lies in the fact that Catugier exclusively depicts (post-war) architectural elements that we perceive as standardized, which could be (almost) anywhere in the world - and were actually taken (almost) anywhere in the world by the artist. These perspectives on global architecture, created with a sharp eye, are supported by the fact that Catugier plays with the scales throughout, as well as by the fact that no people are to be seen in her photos, and that what is depicted in her always humorous play with geometry in space seems so strangely model-like, yet distinctly sculptural. Here it becomes vivid that the artist, in addition to her master's degree in art and design, has also completed a bachelor's degree in architecture.

Catugier's collages at "B-Part Exhibition" are flanked by two works from her "Balconing" series, which gently transfer the technique of photo collage into the three-dimensional and thus focus on the motif of shadow play, as well as by a video work ("Split"), in which the artist uses the means of computer drawing to open up another guessing game about dimensions, surfaces and spaces, basic elements of pictorial representation and conditions of architectural assertions.

The B-Part Exhibition space accompanies the future development of the Urbane Mitte Am Gleisdreieckwith artistic autonomy and thus at the same time enters into a dialogue with the overarching themes of the overall project - forms of New Work, Co-working, Culture and Sport - and creates synergies between artistic, cultural and social approaches. The artistic director of the B-Part Exhibition is Rüdiger Lange (loop - raum für aktuelle kunst).